Ein Interview mit Harald Moll über die Kunst, in einem Regionalzug alle Nutzergruppen flexibel unterzubringen, über virtuelle Mockups und die Thermoskanne im Cockpit.
Wer einen Zug gestaltet, steht vor einer komplexen Aufgabe – nicht nur wegen der vielen Normen, auch weil auf engem Raum gleich mehrere Zielgruppen mit ganz eigenen Erwartungen zusammenkommen: Hersteller, Betreiber und schließlich die Passagiere. Zugfahren soll komfortabler, inklusiver, flexibler, erfreulicher, effizienter werden, so der Anspruch. Das ist umso schwerer, wenn der Zug ein Standardprodukt mit möglichst vielen Individualisierungsoptionen sein soll. Wie das gelingen kann, zeigt der Triebwagen „RS Zero“ von Stadler Rail. Gestaltet von Innova Design Team GmbH aus Wangen erhielt der Zug nun den FOCUS Gold 2025. Ein Interview mit dem Geschäftsführer Harald Moll.
Herr Moll, Ihr Portfolio zeigt unter anderem Bodenseeschiffe, Bahnen, Laborausstattungen. Gibt es da eine Verbindung?
HARALD MOLL: Ja, natürlich, die klassische Industriedesign-Ausrichtung: wir sind nicht auf eine spezifische Branche fixiert. Viele Partnerschaften und Projekte sind regional gewachsen – unser Büro war einst am Bodensee angesiedelt, dort gab es eine Werft für Passagierschiffe. Und mit dem Hersteller der Laborausstattung aus dem Allgäu arbeiten wir bereits seit mehreren Jahrzehnten zusammen. Das sind alles Produkte, die man nicht Jahr für Jahr aktualisieren muss. Genau das macht das Arbeitsfeld für uns attraktiv, weil wir die Langlebigkeit in den Gestaltungsprozess einbeziehen müssen. Schiffe und Bahn obliegen recht strikten Reglementierungen bei vergleichsweise kleinen Stückzahlen. Welche Herausforderungen ergeben sich daraus? HARALD MOLL: Der Spagat besteht darin, Lösungen zu entwickeln, die bei minimalen Stückzahlen umsetzbar sind, den Kostenrahmen einhalten, alle Normen und Vorgaben berücksichtigen – und schließlich für Fahrgäste und Betreiber gleichermaßen attraktiv sind. Letztlich muss der Betreiber damit Umsatz generieren können. Es gibt quasi drei Zielgruppen: den Hersteller, dessen Kunde, der das Verkehrsmittel kauft und betreibt, und die Endnutzer, also die Fahrgäste. Gerade die bringen heute vieles mit: Rollstühle, Rollatoren, Fahrräder, riesige Gepäckstücke. Wie soll das alles in eine Bahn passen?
HARALD MOLL: Es ist tatsächlich eine geometrische Herausforderung, das Layout so zu organisieren, dass dieser Mix funktioniert. Normen und Vorschriften definieren klar, wie beispielsweise der Verkehrsweg für den Rollstuhlfahrer sein muss. Diese Vorgaben gilt es zu erfüllen und trotzdem ein stimmiges Ganzes zu finden – nicht nur für Rollstuhlfahrer, sondern auch für die Schülergruppe, die morgens zur Schule fährt. Damit sind wir schon beim „RS Zero“ gelandet. Ein wichtiges Entwicklungsziel war, genau diese verschiedenen Nutzeranforderungen abzubilden.
HARALD MOLL: Ja, richtig. Wir müssen immer sehen, dass der eigentliche Konkurrent einer Bahn nicht eine andere Bahn ist, sondern...
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